Montag, 10. November 2014

[Rezension] "The Diviners - Aller Anfang ist böse" von Libba Bray

Copyright dtv Verlag
Titel: "The Diviners - Aller Anfang ist böse"

Autor: Libba Bray

ÜbersetzerIn: Barbara Lehnerer

Verlag: dtv Verlag
 
Format: Hardcover / eBook

Preis: 19,95€ / 15,99€

Seiten: 704


ISBN: 978-3423760966



The Diviners - Aller Anfang ist böse von Libba Bray

Ich als passionierte Leseratte werde immer nach irgendwelchen Buchtipps gefragt. Es ist aber zur Abwechslung auch mal schön von anderen Personen einen Lesetipp zu bekommen. Meine Arbeitskollegin legte mir das Buch „The Diviners – Aller Anfang ist böse“ von Libba Bray ans Herz. Als ich dann erfahren habe, dass es auf lovelybooks eine Buchverlosung mit anschließender Leserunde gab, musste ich mein Glück natürlich versuchen und ich wurde tatsächlich für eins der 40 Exemplare ausgewählt. Daher möchte ich mich beim dtv Verlag für die Bereitstellung der Bücher bedanken.

Evie liebt ihr Leben. Sie ist unangepasst, chaotisch und abenteuerlustig. Diese Eigenschaften kommen jedoch nicht gut bei ihren Mitmenschen in ihrer beschaulichen Heimatstadt an. Ihre Mitmenschen sind eher auf die Etikette fixiert und möchten in Frieden ihr klassisches Leben leben. Dass Evie mit ihrem Verhalten aneckt, war also nur eine Frage der Zeit. Doch nicht ihr ständiger Alkoholkonsum war der Auslöser für ihre Zwangsreise zu ihrem Onkel nach New York, sondern ihr Missbrauch ihrer Gabe. Evie kann aus einem persönlichen Gegenstand einer Person die Vergangenheit bzw. die Geheimnisse der betreffenden Person lesen. Diese Gabe setzte sie während einer Party ein und beschuldigte einen Partygast eine Mädchen geschwängert zu haben, obwohl er bereits mit einer anderen Frau verlobt ist. Da Evie sich für die Wahrheit nicht entschuldigen wollte, wurde sie kurzerhand in den nächsten Zug nach New York gesteckt. Gerade mal ein paar Minuten in New York und Evie werden ihre 20$ gestohlen, was in Zeiten der Prohibition einem kleinen Vermögen gleicht. Evie bemerkt den Diebstahl als sie das Taxi bezahlen will, was sie zu dem Museum ihres Onkels gebracht hat. Leider ist es da schon zu spät und Evie muss auf ihre Notreserve, die sie von ihrem Vater bekommen hat, zurückgreifen. Kaum in ihrem neuen Zuhause angekommen, wird Evie schon mit einem sehr brutalen Mord konfrontiert. Einmal mehr muss Evie beweisen, was in ihr steckt. Während ihrer Recherche stößt sie auf allerhand Hinweise auf den Mörder, doch dieser ist seit 50 Jahren tot. Kann ein Geist solch einen brutalen Mord begehen?
Und während Evie mit ihrem Onkel und dessen Assistenten auf Spurensuche geht, geht etwas merkwürdiges in New York vor und bald steht Evie vor der Frage: Ist sie wirklich die Einzige mit dieser Gabe oder gibt es noch mehr, die so sind wie sie?

Nachdem das Buch bei mir ankam, bin ich erst einmal vor der Seitenzahl erschrocken. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, was mehr als 600 Seiten hat und war daher etwas skeptisch, da dieses Buch über 700 Seiten hat. Abgesehen von zwei oder drei Ausnahmen waren die Bücher, die ich bisher gelesen habe, die so eine Seitenzahl vorwiesen, ziemlich langatmig. Aber ich lies die Geschichte einfach auf mich zukommen und versank so gleich in dem Buch. Meine anfängliche Angst war unbegründet, da mich „The Diviners – Aller Anfang ist böse“ von Libba Bray vollends unterhalten konnte. Ab und an schwächelte die Spannung, aber es kam trotzdem nie Langeweile auf. Libba Bray stellt ihre Charaktere sehr genau vor und gibt dem Leser Einblicke in die Denkweise der handelnden Personen. Man liest die Handlung nicht nur aus Evies Sicht sondern aus mindesten 6 weiteren. Was ich dabei sehr faszinierend fand, war die Tatsache, dass alle Charaktere so unterschiedlich sind, dass man sofort weiß aus welcher Sicht man gerade liest. Das ist vor allem für den Lesefluss wichtig, denn wenn ich erst überlegen muss, aus wessen Sicht ich gerade lese, vermiest dies mir das ganze Buch. Der Schreibstil von Libba Bray war für mich sehr angenehm. Sie erzählt zwar von Ritualmorden, beschreibt diese aber nie genau. Trotzdem bleibt der Gruselfaktor nie aus. Dies ist den atmosphärischen Handlungsorten und den detaillierten Beschreibungen zuzuschreiben. Dieses Buch bietet eine spannende, gruselige aber keine grausame Atmosphäre.
Da Libba Bray mit den handelnden Personen nicht gegeizt hat, habe ich mir ein paar Charaktere ausgewählt, die ich näher beleuchten will.
Zuallererst möchte ich Evie nicht unerwähnt lassen, da sie einen etwas größeren Teil des Buches ausmacht. Evie war mir anfänglich zu anstrengend, zu egoistisch und zu naiv. Ich dachte mir noch, wenn sie während des ganzen Buches so ist, werden wir keine Freunde. Doch schon während den ersten Tagen in New York bemerkt man eine leichte Veränderung, die nach dem ersten Mord deutlicher zum Vorschein tritt. Evie fühlte sich in ihrer Heimatstadt fehl am Platz. New York bietet ihr ungeahnte Möglichkeiten. Ihr Onkel lässt ihr viele Freiheiten und endlich sieht sie einen Sinn in ihrem Leben. Sie hilft bei der Aufklärung der Morde und wendet ihre Gabe nicht mehr nur zum Vergnügen an. Natürlich feiert sie noch und kann nicht ganz aus ihrer Haut. Evie ist alles andere als perfekt, aber so eine Protagonistin braucht auch niemand. Ich finde dieses „Unperfekte“ viel sympathischer und so konnte ich mich schlussendlich mit Evie anfreunden.
Ganz anders ist ihre Freundin Mabel. Mabel ist eher unsicher und will die Aufmerksamkeit ihrer Eltern auf sich lenken. Doch egal wie sie es anstellt, sie ist immer nur die kleine Mabel. Die beiden Freundinnen ergänzen sich perfekt. Evie lockt Mabel aus ihrem Schneckenhaus und Mabel zeigt Evie, dass es auch noch eine Welt außerhalb von den nächtlichen Parties gibt. Ihre Interaktionen und die Dialoge sind echt und nicht gekünstelt. Auch wenn es Evie manchmal übertreibt, raufen die beiden sich immer wieder zusammen.
Evies Onkel Will ist ein typischer Junggeselle. Im Laufe des Buches kommt man hinter das Geheimnis seiner zurückgezogenen Lebensweise. Will interessiert sich für sein Museum und für alles, was mit dem Okkulten zu tun hat. Er hält Vorträge vor Studenten und gibt somit sein Wissen weiter. Besucherzahlen oder das Finanzamt, dass das Museum wegen Steuerschulden schließen will, interessiert ihn nicht.Will lebt einfach in seiner eigenen Welt. Auch wenn er es wahrscheinlich nicht zugeben will, hat der Besuch von Evie ihm nicht nur das Museum sondern auch ein Stück seines Lebens gerettet. Will überdenkt seine Wirkung auf Evie und die Personen, die ihm nahe stehen. Er lernt auch mal zuzuhören. Will hat einen hohen Beschützerinstinkt und kann Situationen perfekt einschätzen. In dem Buch nahm er für mich den Platz des Felsens in der Brandung ein. Ich mochte seine ruhige und geduldige Art.
In „The Diviners – Aller Anfang ist böse“ ist nichts so, wie es am Anfang scheint. Bei vielen Charakteren bin ich mir immer noch nicht sicher, wie ich sie einschätzen soll und ich freue mich schon sehr auf den 2. Band. Was ich allerdings gebraucht hätte, wäre ein Personenglossar. Da es eine Fülle von Charakteren gibt, fiel es mir ab und an schwer die verschiedenen Personen auseinanderzuhalten und vor allem deren Fähigkeiten.
Außerdem kann der Leser New York mal auf eine ganz andere Weise entdecken. Denn das New York der 20er Jahre bietet vieles, was es sich zu entdecken lohnt.
Das Cover ist minimalistisch gehalten, spiegelt aber die Stimmung des Buches perfekt wieder.
Alles in allem ist „The Diviners – Aller Anfang ist böse“ von Libba Bray ein sehr atmosphärisches Buch, welches dem Leser sehr viel Gelegenheit zum träumen, erforschen, gruseln und verlieben gibt. 


1 Kommentar:

  1. Hey, Maria:)
    Da ist ja dann noch jemand, der das Buch auch stellenweise gruselig fand - ging mir ja nicht anders:) Ich habe bei der Seitenzahl auch erst sehr schlucken müssen, solche Schinken mag ich ja nicht so gerne. Aber hier fiel es gar nicht weiter auf, oder? Ein wirklich tolles Buch. Ein Personenverzeichnis wäre wirklich nicht schlecht gewesen;) Ich hoffe, dass wir nicht allzu lange auf die Fortsetzung warten müssen!

    LG, Claudia :)

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