Sonntag, 22. Juni 2014

Rezension "Robin & Jennifer" von Elke Weigel

Copyright Konkursbuchverlag

Titel: Robin & Jennifer

Autor: Elke Weigel

ÜbersetzerIn: -

Verlag: Konkursbuch Verlag

Format: Broschiert /eBook

Preis: 10,90€/8,49€

Seiten: 352

ISBN: 978-3887697389



Robin & Jennifer von Elke Weigel

Ein Blog ist für eine Leseratte wie mich eine perfekte Möglichkeit Bücher zu lesen, die man sonst nie kennengelernt hätte. In diese Kategorie fällt auch „Robin & Jennifer“ von Elke Weigel. Ich möchte dem Konkursbuch Verlag meinen Dank für dieses tolle Rezensionsexemplar aussprechen.
Ich wurde nämlich auf 346 Seiten in eine aufregende Zeit entführt und konnte Jennifer & Robin bei ihren Entwicklungen begleiten.

Es ist das Jahr 1900 und 2 Mädchen suchen ihre Bestimmung. Robin lebt mit ihrem Vater, ihren beiden Brüdern und ihr liebevollen Haushälterin in einem Haus in Bad Cannstadt. Beinahe jeden Tag kommt ihre Tante Erna zu ihnen ins Haus, um es zu putzen und Robin das Leben schwer zu machen. Nichts kann sie ihrer Tante recht machen. Das mag zum einen daran liegen, dass sie eine andere Mutter als ihre Brüder hat und zum anderen will sie sich keinem Mann unterordnen. Jede Tag bekommt sie zu spüren, was es bedeutet eine aus England stammende Mutter zu haben. Und nicht nur Zuhause muss sie sich durchsetzen. Beinahe die ganze Gesellschaft ist der Meinung, dass Frauen nur Haushälterinnen und Mutter taugen. Doch Robin kämpft um Gleichberechtigung und eine vernünftige Bildung. Als sie jedoch ihre Liebe zu Frauen entdeckt, schwebt sie in großer Gefahr, denn so ein „Verhalten“ wird in ihrer Zeit schwer geahndet.
Zur gleichen Zeit in Paris lebt Jennifer mit ihrer Mutter Valentine und ihrem Stiefvater dem Baron. Ihr Leben besteht aus Festen und Tanzen. Als sie Sophie trifft, scheint ihr Traum wahr geworden zu sein. Sie hat eine Frau getroffen, die sie begehrt und ihren Tanz versteht. Denn Jennifer tanzt nicht nach irgendwelchen Choreographien sondern nach ihren Gefühlen. Alles scheint wunderbar zu sein bis der Baron mehr als väterliche Gefühle für Jennifer hegt und ihre Mutter jeden Mal seine Wut zu spüren bekommt. Gemeinsam beschließen sie, dass sie in Paris nichts mehr hält und eine Flucht unvermeidlich ist. Ein packendes Abenteuer beginnt...

Ein Buch wie „Robin & Jennifer“ von Elke Weigel habe ich noch nie gelesen. Das liegt zum einen daran, dass ich in meinem Leben noch nicht viele Historical - Romane gelesen habe und zum anderen, dass es kaum Romane gibt, die so eine Thematik behandeln. Umso erstaunlicher und beachtlicher finde ich es, dass Elke Weigel sich diesem Thema gewidmet hat. Ich bin eine Verfechterin der Gleichberechtigung und finde es sehr wichtig, dass jede Frau ihren eigenen Weg geht und sich von keinem Mann unterdrücken lässt. Themen wie Gleichberechtigung, Frauenrechtlerinnen und Emanzipation spielen auch heutzutage noch eine sehr große Rolle in unserer Gesellschaft. Diese Themen hat Elke Weigel sehr gefühlvoll, aber auch sehr klar dargestellt. Ich finde es wunderbar ein Buch gelesen zu haben, dass die Politik sehr interessant aufgreift und diese aber einfach wiedergibt. „Robin & Jennifer“ ist sehr niveauvoll geschrieben, jedoch ohne zu kompliziert zu wirken. Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und sehr treffend. Sie redet bzw. schreibt nie um den heißen Brei und dafür bin ich ihr sehr dankbar, da ich es für wichtig erachte bei so einem Thema direkt zu bleiben. Sehr beeindruckend fand ich den Werdegang ihrer beiden Protagonistinnen. Denn durch „Robin & Jennifer“ gewährt uns die Autorin einen Blick in eine Zeit, den wir vielleicht so nie bekommen hätten.
Robin kann man nicht als typisches Mädchen ihrer Zeit bezeichnen. Sie ist wild, entschlossen und wissbegierig. Ganz zum Leidwesen ihrer Tante, denn die ist der Meinung, dass Mädchen keine Bildung sondern einen vernünftigen Ehemann, ein Heim und Kinder haben sollte. Doch Robin kämpft für ihre Recht. Robin hat mich persönlich immer wieder in Staunen versetzt. Sie weiß was sie will und das ist Bildung und die gleichen Recht wie die Jungen bzw. Männer ihrer Zeit. Für uns klingt das sehr einfach, denn wir können zu unseren Eltern gehen und sagen: „Hey Mum und Dad ich will aufs Gymnasium und studieren.“ Viele Eltern würden sich so einen Satz aus dem Mund ihres Kindes wünschen, doch in Robins Zeit ist es verpönt ein schlaues und gebildetes Mädchen oder eine gebildete Frau zu sein. Es verlangt sehr viel Mut sich der Gesellschaft zu stellen. Umso erstaunlicher ist Robins Entwicklung. Aus dem schüchternen Mädchen wird eine gestandene Frau, die ihr eigenes Geld verdient. Jennifer ist da anders. Sie kümmert sich nicht um Politik, sondern lebt in den Tag hinein und interessiert sich nur fürs Tanzen und für Sophie. Denn mit Männern kann Jennifer nichts anfangen. In ihrer Zeit ist das jedoch sehr gefährlich. Trotzdem behält Jennifer ihre Leichtigkeit. Diese hat mich wirklich fasziniert. Sie nimmt das Leben nicht zu ernst, macht sich aber ab und an auch ihre Gedanken. Jennifer empfand ich als sehr angenehmen Charakter. Sie konnte mich mit ihrem Tanz sehr oft in eine andere Welt führen. Die Ausdruckstänze werden mir wahrscheinlich immer in Erinnerung bleiben, denn ich empfand die Vorstellung, dass man keine Worte brauch, um seinen Gemütszustand auszudrücken, als sehr beruhigend. Denn unserer sehr artikulierten Welt kann sehr anstrengend werden und was gibt es denn schöneres, als einmal nicht reden zu müssen. Anfangs kam ich etwas schwer ins Buch, aber „Robin & Jennifer“ konnte mich dann doch gefangen nehmen und lies mich erst ab der letzten Seiten los.
„Robin & Jennifer“ von Elke Weigel ist ein wunderbares Buch über 2 junge Mädchen die langsam erwachsen werden und merken, dass man für seine Ziele kämpfen muss und dieser Kampf sich lohnt. Elke Weigel hat einen großartigen Roman für all diejenigen geschaffen, die sich diesen Thematiken wie Gleichberechtigung, Frauenrechtlerinnen und Emanzipation nähern wollen ohne vorher ein dickes Geschichtsbuch wälzen zu müssen. 


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